Slackline-Session-Blog-de

Montag, 13. September 2010

Heimgartenhighline

Zufällig bin ich auf diesen Spot gestoßen: Letzten Herbst machte ich mich auf in Richtung Heimgarten, dem Hausberg meines Wohnortes Ohlstadt, um potentielle Highlinespots auszuchecken. Nach etwa 800 Höhenmetern laufen auf der Forststraße sah ich auf der linken Seite, direkt neben der Straße, eine brüchige Felswand. Ich beschloss hochzuklettern um einen besseren Überblick zu bekommen. Die Kletterei war etwas beängstigend, denn ich war nur mit einer Bohrmaschine in meinem Rucksack und meinen Laufschuhen ausgestattet und der Fels war extrem brüchig und nass. Trotz alldem konnte ich oben angekommen den weiteren Weg zum Heimgarten überblicken. Direkt gegenüber und sogar auf gleicher Höhe sah ich einen unscheinbaren Felsturm aus den Baumgipfeln ragen. Ich erhoffte mir hier eine ultimative Projektline. Nach einigen ergebnislosen Messversuchen in der Dämmerung wurde mir klar: Dieser Spot ist mit Sicherheit weit über 100m! Ein Projekt, das wir diesen Herbst oder kommendes Jahr realisieren wollen.
Letzte Woche endlich, nachdem fast 1 Jahr vergangen war, kehrten Anatolij und ich noch einmal zurück um weiter zu planen. Diesmal konnten wir die Forststraße ganz bequem mit dem Auto hochfahren und hatten damit nur noch den Aufstieg über die brüchige Wand zu erledigen. Oben entdeckten wir direkt oberhalb der brüchigen Wand zwei hervorstehende Felsnasen, laut Lasermessung 24m auseinander. Wir bohrten diesen Spot ein, planten die Erstbegehung für Sonntag 12.09.’10, und schoben die Projektline vorerst weiter auf.
Leider sagte mir Anatolij am Abend zuvor ab, jedoch hatten Johannes und Emile aus München vor zu mir zu kommen und die Erstbegehung durchzuführen. Gesagt – getan.
Wir trafen uns am Sonntagmorgen und fuhren wiederum ganz gemütlich mit dem Auto bis kurz vor den Spot. Nach etwa 15min Aufstieg fingen wir bald mit dem Aufbau an, welcher zügig und problemlos von statten ging. Ich sicherte mir die Erstbegehung im Full-Man On-Sight. Nach mir Hannes, auch FM OS direkt im Swami. Daraufhin holte ich mir auch das beflügelnde Gefühl durch eine Swamibegehung. Zum Schluss "betricksten" wir die Line noch ausführlich mit schaulustigen Wanderern als Publikum.
Vielen Dank für einen superschönen Highlinetag an Johannes und besonders an Emile, der uns wieder einmal mit seiner Fotokunst bereichert.

Donnerstag, 26. August 2010

Laberköpfle

Endlich mal wieder eine Highline bei uns, dachte ich mir. Nach der Schweiz und Polen hatten Andi und ich eine neue 22m lange und 150m hohe Highline eingebohrt und erstbegangen. Das ist somit die 7 Highline nur im Ammertal.
Die Line selber ist mitten in der Wand und geht von einem kleinen Felsvorsprung direkt zur Wand. Anfangs ist es verboten in die Leash zu fallen, da man sonst gegen die Wand klatscht. Trotzdem hat uns das nicht aufgehalten, denn wir wollten auf jeden Fall die höchste Highline in diesem Gebiet spannen. Es kam noch ein „kleines“ Problem dazu, denn wir hatten die Leash vergessen. Da die gesamte Aktion wie immer spontan war und ich nur wenige Minuten zum Packen hatte, vergas ich das Wichtigste. Wieder runter zu laufen, hätte zu viel Zeit gekostet. Deswegen schnitten wir ein Stück vom Kletterseil ab… es war zu kurz! Naja, improvisieren konnten wir schon immer gut und so bastelten wir uns eine Leash. Es war ein komisches Gefühl mit der Leash zwischen den Beinen zu laufen, das habe ich seit zwei Jahren nicht mehr gemacht. Es ging aber erstaunlich gut und ich holte mir den Onsight. Der Name der Line ist „My worst Nightmare“, da so ziemlich alles an diesem Tag schief lief.

Montag, 23. August 2010

Cityhighlines - Polen

Was macht man nicht alles, um Highlines laufen zu können ? Ich lebe in den Alpen, habe somit die besten Voraussetzungen für diesen Sport. Aber nein, das reicht nicht! Man ist immer unterwegs, mittlerweile weltweit, nur um Highlines laufen zu können. Dieses Mal ging es ins 1.350 km entfernte Lublin in Polen.
Es war Jan Galek der uns alle auf ein Highlinefestival einlud und so folgten wir der Einladung. Helmar, Daniel, Fabi, Lukas und ich machten uns morgens auf. Nach 16 Stunden Fahrt erreichten wir total müde die Stadt. Es gab extra eine Art „Campingplatz“ für alle, die an dem Festival teilnahmen. Im Grunde war es ein Stück Wiese neben einer Hauptstraße, dass durch Zäune abgesperrt wurde. Im Laufe des Abends kamen noch Grischa, Kathi, Mich, Bernhard und Jerry aus den USA.
Am nächsten Tag ging es schon los mit dem Highlinen. Das tolle daran war, die Lines waren zwischen Gebäuden gespannt! Es gab 3 Lines, zwischen Kirchtürmen und von Rathaus zu einem anderen Haus. Also endlich mal mit viel Publikum laufen und performen. Ich holte mir die Erstbegehung der 35m langen Line. Das habe ich erst später von Jan erfahren, da sie selber gar keine Zeit hatten sie zu laufen. Nach mir kam Jerry, mit dem ich später einige Interviews für das polnische Fernsehen führen durfte. Der Tag war super, wir tobten uns auf den Lines aus und versuchten alle möglichen Tricks.
Am nächsten Tag stand der Longlinewettkampf an. Wir fanden einen geeigneten Spot für eine 184m lange Line. Da wir mindestens 20 Leute waren, ging der Aufbau sehr schnell und vor allem problemlos. Der Modus war so: Wer am weitesten kommt, wer braucht die wenigsten Versuche, der hat gewonnen.
Den ersten Versuch machte Lukas und schaffte es gleich im ersten Versuch mit Drehung am Ende und kam wieder zurück. Respekt!! Sozusagen hatte die Competition mit dem ersten Versuch seinen Sieger. Jerry schaffte es im zweiten Versuch , scheiterte jedoch nur knapp beim Rückweg. Man muss sagen, dass der Wind bestimmte, ob der eigene Versuch ein Erfolg oder Misserfolg wird. Ich erwischte ein paar windfreie Minuten und schaffte es im zweiten Versuch. Zurück scheiterte ich genauso wie Jerry. Es gab noch zahlreiche Begehungen, aber sie brauchten mehr Versuche, trotzdem Gratulation! Am Ende gewann Lukas, Jerry war Zweiter und ich Dritter.
Die nächsten Tage waren wir nur am Highlinen und machten sogar eine Nachtbegehung der Kirchenline. Insgesamt gesehen, hat sich der weite Ausflug gelohnt und es war eine wunderschöne Zeit. Danke an die Organisatoren und an Jan, Faith und Jordan.

Freitag, 13. August 2010

Mönchsbüffel

Direkt nach der Olympiaaktion fuhren Helmar, Grischa und ich in die Schweiz ins Lauterbrunnental, denn uns erwartete die höchste und längste Highline der Schweiz. Bereits letztes Jahr wurde diese 52m lange und 1200m hohe Line von Bernhard Witz, Johannes Olszewski und Roland Schlott gespannt, jedoch nicht begangen. Dementsprechend war die Motivation groß.
Kurz nachdem wir dort ankamen, trafen wir Mich, Janek und Faith im Tal. Diese waren nach nur ein paar Tagen im Biwak wieder unten angekommen, denn das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Mich hatte eine Lebensmittelvergiftung, Janek war durch einen Zeckenbiss erheblich geschwächt und Faith kräftemäßig am Boden. Sie machten sich auf dem Weg nach Bern, wir übernachteten wieder einmal im Wald.
Am nächsten Morgen machten wir uns an den Vorstieg. Nach kurzen 3 Stunden erreichten wir das Biwak, voll mit Material. Sebastian Flügge, Jordan Tybon und Bernhard waren noch am Spot und bauten die Highline auf. Wir wurden somit zum Warten gezwungen, denn wir wussten nicht wirklich wie es zum Spot ging. Da Weg zum Spot einem noch einmal 2 Stunden Fußmarsch abverlangte, blieben wir im Biwak und relaxten.
Die nächsten Tage verbrachten wir wegen schlechtem Wetter im Biwak, da es sehr neblig war und man höchstens nur 20m weit sehen konnte. Uns wurde bewusst, dass man auf 2100m über dem Meeresspiegel nicht viel anstellen konnte ,erst recht wenn man in einer kleinen Höhle „gefangen“ war.
Als Bernhard uns über die gute Wetterprognose für die nächsten Tage berichtete, waren wir wieder alle motiviert und so starteten wir am nächsten Tag recht früh. Doch leider kommt es nie so wie man denkt…es schneite über Nacht! Das gab uns den Rest und wir waren sehr langsam unterwegs. Um zum Highlinespot zu gelangen, musste man einen Pfad entlang, der meiner Meinung nach, alpine Erfahrung vorrausetzt. Ehrlich gesagt, existierte der Pfad gar nicht… wir gingen da, wo es sich gerade anbot. An einigen Stellen bedeutete ein Ausrutschen einen ca. 1200 Meter tiefen Fall. Dennoch verlief alles glatt und wir gewöhnten uns alle an die Bedingungen und wurden immer sicherer in Sachen Trittsicherheit.
Beim Spot angekommen, waren wir so platt, dass wir keinen Go mehr auf der bereits aufgebauten Highline probieren wollten. Wir übernachteten auf einer Wiese bei ziemlich kalten Temperaturen. Ein erholsamer Schlaf war das nicht. Am Morgen mussten wir die Highline abbauen, da Landcruising uns das Material zur Verfügung bereit gestellt hatte und es somit mit Sebastian den Ort verlassen musste. Er hatte eine Mitfahrgelegenheit nach Dresden am nächsten Morgen.
Nun ja… alles von vorne. Wieder aufbauen, spannen, hin und her laufen auf schmalen Wegen, wo sonst kein Mensch hin und her läuft… wir hatten das Gefühl, dass so viel Aufwand keine Highline wert ist. Aber uns war auch klar, dass wir bereits 6 Tage darauf warteten. Dementsprechend pushten wir uns noch einmal. Glücklicherweise kamen Mich, Janek, Faith und sogar Chris aus Berlin. Somit war der Aufbau relativ schnell erledigt.
Mich holte sich einen FM OS ab, was mich nicht wirklich überraschte… Wir wissen ja was er kann. Respekt !!! Helmar schaffte es im zweiten Go und im Onsight zurück. Die anderen hatten wirklich große Probleme, ich eingeschlossen. Ich probierte es 3 Mal und scheiterte schon nach den ersten Schritten … Eine Pause zum Relaxen war angesagt. Währenddessen sah ich einige beeindruckende Begehungen, welche mich dazu anregten noch einmal alles zu geben. Am Ende blieben Grischa und ich übrig, die die Line noch nicht bezwungen hatten. Ich hatte ein paar Versuche bei denen ich mich sehr gut fühlte.
Trotzdem kam dann einfach ein Moment, der mich von der Line warf. Frustrierend war das schon, schließlich versuchten wir zu zweit seit mindestens zwei Stunden dieses Ding zu laufen. Dann endlich … es klappte! Am anderen Ende angekommen, alle Sorgen und Strapazen vergessen, einfach nur glücklich! Der Weg zurück gelang mir im dritten Anlauf. Auch Grischa schaffte es danach noch und holte sich den FM. Gratulation! Leider wurde es schnell dunkel und Chris hatte nicht mehr viel Zeit, hatte aber einige gute Versuche.
Nach dem Abbau und dem Abstieg übernachteten wir bei Bernhard in Bern. Gleich danach ging es nach Creux du Van, wo ich eine 42m lange und 150m hohe Line gleich im ersten Versuch lief. Ein gutes Gefühl ;-)
Danke an alle für die wundervolle Zeit.
Blogeinträge von Bernhard Witz und Landcruising.

Sonntag, 4. Juli 2010

Olympiahighline



Endlich!!!
Nachdem wir die Highline bereits  zum Zweiten mal aufgebaut hatten und somit knapp über 15 Stunden allein mit dem Set-Up der Line beschäftigt waren, schaffte Grischa die langersehnte Erstbegehung dieses Monsters.
Aber erst einmal die Vorgeschichte: 
Alles begann mit einem Anruf vom Bayerischen Turnverband. Mir wurde damals mitgeteilt, dass wir die einmalige Möglichkeit hätten, eine urbane Highline über dem Dach des Olympiastadions in München zu spannen. Selbstverständlich sagten wir zu und freuten uns riesig darauf .
Der erste Versuch war mitte Mai. Wir trafen uns mit Helmar und Grischa um 9Uhr am Stadion und begannen motiviert mit dem Aufbau. Allein der Aufstieg nach oben, der über eine Leiter in den Pylonen führte, war kraftraubend. Die komplette Ausrüstung musste nach oben transportiert werden und leider war kein Platz in der Pylone um den Rucksack auf dem Rücken zu transportieren. Deshalb befestigten wir das 70m lange Seil am 30 kg Rucksack und zogen ihn mithilfe einer Umlenkrolle nach oben. Ehrlich gesagt, hatte ich nach dieser Aktion schon keine Lust mehr. Aber es kam noch schlimmer…das erste Bild, das die Highline vermittelte war: "Wie soll das denn möglich sein?"
Erst jetzt waren all die Probleme offensichtlich, denn von unten dachten wir, es wäre alles einfach und unkompliziert. Die Line ist nicht auf gleicher Höhe. Wie sollen wir die Fixpunkte legen, denn ein Schaden wäre das sofortige Aus für diese Aktion gewesen. Wie schaffen wir eine Verbindung? Nach langem Hin und Her ging es voran und wir schafften nach ca. 4 Stunden die Verbindung zwischen den beiden Fixpunkten. Das Spannen der Line stellte sich als eine der größten Herausforderung seit langem heraus. Wir hatten nicht mehr als 4 Quadratmeter Fläche auf der wir uns einigermaßen gut bewegen konnten. Leider hing der Flaschenzug  zu weit draußen und somit erschwerte das uns das Nachsetzen der Potenzierung. Da noch kaum Spannung auf der Line und der Redundanz war, konnten wir uns nicht einfach nach außen hangeln und alles klären. 
Es war ca. 17 Uhr als ich mich zum Tapen aufmachte. Der Wind war so stark, dass ich die Line anfangs kaum festhalten konnte, da sie dadurch ziemlich aufgeschaukelt wurde. Nachdem auch das erledigt war, trafen wir uns alle unten und nahmen noch etwas Nahrung zu uns, um wieder zu Kräften zu kommen. Während dessen fing es an zu regnen! Es war irgentwie symbolisch für den ganzen Tag. 

Alex machte dennoch ein paar Versuche, kam aber nicht sonderlich weit. Durch den Regen gewann die Line an Masse und somit verlor sie auch an Spannung. Da es noch Mitte Mai war, half uns die Kälte nicht sonderlich. Uns blieb nichts anderes als abzubauen und demotiviert nach Hause zu fahren, in dem Wissen den ganzen Tag umsonst geschufftet zu haben.
Dieses Wochende bekamen wir eine weitere Chance. Wir trafen uns um dieselbe Uhrzeit, unterzeichneten wie gewohnt die Papiere, die als Absicherung für die Olympia GmbH diente und legten sofort los. Wir profitierten deutlich vom letzten Mal, denn jetzt wussten wir, was auf uns wartete. Die Verbindung war schnell geschaffen und dieses Mal hatten wir einen LineGrip zum Spannen, welcher uns das Leben extrem erleichterte. Vielen Dank für das Ausleihen an Faith, Janek und Jordan. Absolut alles verlief nach Plan und die Line war gegen 15 Uhr bereit für ihre Erstbegehung.  Nachdem wir die Reihenfolge festgelegt hatten, begann Alex als erster. Es war etwas schwer für ihn anfangs wieder das Feeling zu bekommen, da er seit dem Meteoratrip keine Highline mehr gelaufen ist. Nach ein paar guten Versuchen war Grischa an der Reihe. Er schaffte es im vierten Versuch und stieß einen lauten Freudenschrei aus. Wir alle freuten uns mit ihm, denn endlich wurden wir belohnt. Belohnt mit einer wunderschönen Begehung einer phänomenalen Highline im Herzen Münchens! Zurück schaffte er es im zweiten Anlauf. Gratulation!
Danach war ich an der Reihe. Ich denke jeder, der oben auf der Pylone saß, bemerkte meine Nervosität. Vor dieser Line hatte und habe ich immer noch rießen Respekt, denn es ist eine einzigartige Location und dazu ist man extrem ausgesetzt. Beim ersten Go schaffte ich es bis zur Mitte, beim zweiten Versuch lief ich durch. Zurück gelang mir der Onsight. So glücklich bin ich schon lange nicht mehr gewesen…
Helmar war sichtlich angespannt, als er laufen durfte. Nach ein paar vielversprechenden Versuchen schaffte auch er es. Zurück gelang ihm auch der Onsight. Nach ihm war Alex wieder dran und nach einem großen Kampf holte er sich den Fullman. Gratulation an beide!
Es war ein sehr erfolgreicher Tag für alle und der Gedanke gerade eine 60,7m lange Highline über dem Olympiastadion gelaufen zu haben, machte den Tag noch schöner. Insgesamt betrachtet, haben sich alle Strapazen, die wir auf uns nehmen mussten, gelohnt! Hiermit möchte ich mich noch beim ganzen Team für die reibungslose Zusammenarbeit bedanken.



Vom 30.07. bis 01.08. werden wir beim SportScheck Outdoor Festival im Olympiastadion teilnehmen und das Highlinen präsentieren. Vielen Dank an den Bayerischen Turnverband und die Olympia GmbH , die es uns ermöglichten, diese Highline zu spannen. Dank auch an Andi und Mike für die schönen Bilder.



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